Donnerstag, 29. September 2016

22. 8. Besser spät als nie

Es viele unschöne Dinge, die man seinen zahlreichen Mitreisenden im Fernbus wünscht, wenn sie einem jegliche Chance auf Schlaf geraubt haben, indem sie sich wahlweise durch Schnarchen, Laute Gespräche oder intensiv riechende Extremitäten auszeichnen. Ein wenig gerädert erreichten wir dementsprechend um 7:26 einen verregneten Busbahnhof irgendwo in Paris. Da wir unsere Route durch Paris schon im Voraus geplant hatten, folgte im Anschluss ein Manöver, dass kein Pionierbatallion der Bundeswehr hätte schneller und effizienter ausführen können: Zwei Boote und Gepäck raus aus dem Bus, auf den Rücken, in die U-Bahn, raus aus der U-Bahn, in die nächste U-Bahn und spontane Tiefschlafphase bei einigen Mitreisenden nach Ankunft am Ostbahnhof. Nachdem wir uns noch ein letztes Mal über die französische Bahn aufgeregt hatten und das Gepäck sowie uns in den ICE nach Stuttgart verfrachtet hatten, sagten wir Frankreich und seiner Hauptstadt Lebewohl. Schon das schlechte Englisch in den Durchsagen ließen erste heimatliche Gefühle aufkommen, die dann bei Ankunft in Stuttgart in einem Sturm patriotischer Begeisterung übergingen, als uns ein Mitarbeiter der Bahn mit einem Gepäcktransporter die Boote zum richtigen Gleis brachte. Nach einem Mittagessen beim hiesigen MC-Donalds und einem Gespräch mit einem anderen Faltbootfahrer und seiner Kenter-Erfahrungen bestiegen wir für die letzte Etappe den Regionalzug nach Würzburg und rufen Franz an, damit er das Bier kaltstellt. Doch das Schicksal wollte uns offensichtlich noch ein letztes Mal prüfen. Im Zug klapperten während der Fahrt die Türen derartig laut, woraus wir alle geradezu apokalyptische Kopfschmerzen entwickelten. Als jedoch Mainfranken und Würzburg in Sicht kamen war auch das vergessen und wir fuhren unter einem letzten "Country Roads" in den Würzburger Hauptbahnhof ein. Antons Vater holte uns ab. Wir zerlegten, trockneten und reinigten die Boote, freuten uns auf viele Wiedersehen, tranken noch das kühle Bier. Dann trennten sich unsere Wege.

Epilog
Wir haben uns seither nicht mehr zu viert getroffen. Kathi macht FSJ an der Uniklinik Freiburg. Moritz macht ein duales Studium zum Beamten. Paul und Anton studieren Physik bzw. Germanistik und Philosophie in Würzburg. Wir sind sehr verschiedene Menschen, die sich in sehr verschiedene Richtungen entwickeln. Doch wir teilen alle die Erinnerung an einen unvergesslichen Urlaub.
Auf Paul kommt nach diesem Beitrag, den er besser spät als nie veröffentlicht hat noch die Abschrift von Arbeitsblatt zu Rechenmethoden 1 zu. Doch er freut sich. Denn morgen fährt auch er zum Pilgern, wo er sie alle wiedersieht. Die Wilden Kerle.