Es ist der 18. August 2016. 8 Uhr morgens. Vier verschlafene Faltbootfahrer kriechen aus ihren Schlafsäcken. Wir frühstücken, packen alle Sachen und falten ein letztes Mal unser gutes, treues Zelt zusammen. Nachdem wir die Boote beladen haben, laden wir unsere imaginären Breitseiten, hissen unsere imaginären Segel und stechen gegen 10 Uhr deutscher Zeit in See, um der Loire auch die letzten 13 Kilometer abzutrotzen. Durch die Ebbe begünstigt lassen wir Blobuoebf sehr zügig hinter uns. Die Brücke von Saint Nazaire kommt immer näher. Siegestrunken sehen wir uns schon mit Cocktails am Strand liegen, als die Flut einsetzt und uns mit aller Kraft in Richtung Nantes zurücktreibt. Von nun an ist jeder weitere Meter quälend lang. Wir paddeln drei Stunden nur um es von der Höhe eines Verladekrans auf die Höhe des Nächsten zu schaffen. Wir landen auf einer Insel mitten in der Atlantikmündung und steigen aus um die Boote zu ziehen. Für die Erkenntnis, dass es bei Flut kein Vorwärtskommen gibt, mussten wir offenbar einmal bis zu den Oberschenkeln im Schlamm stecken. Also weiter paddeln und in Zentimeterschritten weiter, während Ozeanriesen scheinbar spielend an uns vorbeidampfen. Endlich kommt ein Motorboot vorbei, dass uns in Schlepp nimmt. Wir freuen uns über unsere Form des Wassertrampens. Doch dann schneidet der Motorbootfahrer eine Kurve über eine Welle zu scharf, so dass "Poseidon" mit Mann, Maus, Mo und Paul in der Atlantikmündung der Loire kentert. Unsere Schlepper zeigen uns, was wahre Hilfsbereitschaft ist, geben uns die Nummer der Küstenwache und brausen von dannen. Mo und Paul sind wohlbehalten aufgetaucht und fangen an, Gegenstände die noch im Wasser schwimmen einzusammeln, das Boot umzudrehen und leerzuschöpfen. Anton ruft währenddessen bei der Küstenwache an, wo ihn allerdings statt schneller Hilfe, erst einmal Warteschleifenmusik erwartet, da der durchschnittliche Mitarbeiter einer französischen Küstenwache nicht Englisch sprechen kann. Nach allerhand Kontrollfragen, ob das auch wirklich kein Scherz ist, verbleibt die Küstenwache damit, eventuell demnächst mal ein Boot vorbeizuschicken. Zum Glück hat uns in der Zwischenzeit durch Kathis engagiertes Winken ein Fischerboot gesehen, dass die durchnässten Paul und Moritz aus dem Wasser fischt und auch den deutlich trockenen Rest an Bord nimmt. Der Besitzer dieses Bootes stellt sich als herzensgute Hobbyfischer Jemarq heraus. Die Boote werden erneut in Schlepp genommen und Jemarq fährt deutlich erfahrener und vorsichtiger in Richtung Saint Nazaire. Froh mit dem Schrecken davongekommen zu sein lassen wir uns die Sonne auf den Pelz scheinen und trinken Jemarqs fantastischen Instantkaffee. Im Hafen angekommen hießen wir die Boote an Land, bauen sie ab und trocknen so viel wie möglich ist. Zum Glück halten sich auch die materiellen Verluste in Grenzen. Paul sucht nach einem Hotel, während die anderen die Boote fertig machen. Jemarq bietet uns sogar noch an das schwere Gepäck in seinem Boot zu lassen und fährt uns noch zum Hotel Luna. Wir liegen nun völlig erschöpft in unseren Betten und realisieren noch nicht völlig, was heute passiert ist, aber wir sich heil angekommen. Am Ende einer langen Reise.
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